Österreichische Akademie der Wissenschaften
Symposium agentische KI in hybriden Gesellschaften
Wenn KI beginnt zu handeln: 4future bei der ÖAW
Ein Bericht über das Symposium Agentic AI in Hybrid Societies
Am 14. April 2026 versammelten sich an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, um eine der drängendsten Fragen der digitalen Transformation zu diskutieren:
Was bedeutet es für Gesellschaft und Demokratie, wenn Künstliche Intelligenz selbstständig handelt?
Eingeladen von der Kommission „Democracy in Digital Societies“ unter der Leitung von Professorin Barbara Prainsack stand das Symposium unter dem Titel „Agentic AI in Hybrid Societies – Power, Conflict and Democratic Futures“.
Wir durften als 4future zwei Beiträge zu dieser Diskussion liefern.
Werner Illsinger und Andreas Kunar
von 4future bei der ÖAW
Vom Werkzeug zum Akteur
Die Grundthese des Symposiums zog sich durch alle Beiträge:
Künstliche Intelligenz befindet sich im Übergang.
Weg von Systemen, die lediglich auf Eingaben reagieren –
hin zu Systemen, die eigenständig handeln, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse steuern.
Damit verschiebt sich der Fokus.
Nicht mehr die Frage nach der technischen Leistungsfähigkeit steht im Zentrum, sondern jene nach Macht, Verantwortung und Kontrolle.
Andreas Kunar: Die neue Realität der agentischen Systeme
Den Auftakt gestaltete Andreas Kunar
In seinem Vortrag „When AI Takes Action: Understanding Agentic Systems“ zeigte er, wie sich moderne KI-Systeme von klassischer Software unterscheiden. Dabei machte er deutlich, dass sogenannte „agentische Systeme“ längst mehr sind als erweiterte Chatbots.
Sie verfügen über:
- die Fähigkeit, Werkzeuge einzusetzen
- Gedächtnisstrukturen zu nutzen
- komplexe Aufgaben eigenständig zu verfolgen
Kunar gelang es, die technische Entwicklung greifbar zu machen – und gleichzeitig die Illusion zu durchbrechen, dass es sich dabei um ein fernes Zukunftsszenario handelt.
Agentic AI ist bereits Teil der Gegenwart.
Werner Illsinger: Die Frage nach der digitalen Souveränität
Im Anschluss verschob Werner Illsinger die Perspektive.
Unter dem Titel „I am sorry Dave. I am afraid, I cannot do that. AI and Digital Sovereignty“ stellte er nicht die Technologie selbst in den Mittelpunkt, sondern deren Einbettung in geopolitische und gesellschaftliche Strukturen.
Der Film 2001 – Odysee im Weltall aus dem Jahre 1968 zeigte eindrücklich wo die Herausforderung von agentischer KI liegt. Mission Commander Dave hat mit einem kleinen Raumschiff das Mutterschiff verlassen. Er bittet den Supercomputer HAL bei seiner Rückkehr die Türen des Mutterschiffs für seine Rückkehr zu öffnen. Hal antwortet mit dem Satz “I am sorry Dave. I am afraid, I coannot do that”. HAL befürchtet, dass Dave vorhat ihn abzuschalten. Das würde die Mission gefährden – und die Mission ist das oberste Ziel, das HAL verfolgt.
Man sieht an diesem Beispiel: Macht hat nicht, jemand dem sie übertragen wurde. Macht hat der, der sie ausübt.
Sein Argument:
Mit zunehmender Handlungsfähigkeit von KI-Systemen verlagert sich Macht – hin zu jenen, die Infrastruktur, Daten und Modelle kontrollieren.
Illsinger formulierte es zugespitzt:
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob KI Handlungsmacht hat – sondern ob wir sie noch haben.
Damit rückte er ein Thema in den Fokus, das in der europäischen Debatte zunehmend an Bedeutung gewinnt: digitale Souveränität.
Diese ist, so Illsinger, keine abstrakte politische Forderung, sondern eine sehr konkrete infrastrukturelle Frage.
Wer die Systeme nicht versteht, nicht mitgestaltet, nicht kontrolliert gerät in Abhängigkeit.
Eine Diskussion, die über den Raum hinausgeht
Besonders bemerkenswert war die anschließende Diskussion.
Was als wissenschaftliches Symposium angelegt war, entwickelte sich zu einem intensiven Austausch über ganz praktische Fragen:
- Wer trägt Verantwortung für deren Entscheidungen?
- Welche Rolle kann Europa in einer zunehmend fragmentierten digitalen Welt spielen?
- Wir können wir uns Kontrolle über Daten und Systeme zurückholen.
- Wie muss die Regularik auf die Veränderungen reagieren.
Die Beteiligung und Tiefe der Diskussion machten deutlich, dass das Thema längst nicht mehr auf den akademischen Raum beschränkt ist.
Zwischen Technologie und Gesellschaft
Im weiteren Verlauf des Tages wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet – von globaler Gesundheitspolitik bis hin zu militärischen Anwendungen von KI.
Dabei wurde eines immer klarer:
Agentic AI ist kein isoliertes Technologiethema.
Sie wirkt in:
- politische Systeme
- wirtschaftliche Strukturen
- gesellschaftliche Dynamiken
und stellt bestehende Ordnungen zunehmend infrage. Eine wichtige Frage war auch die Verantwortung jedes Einzelnen, beispielsweise auch der Ingeneure und Ingenieurinnen, welche die Systeme entwickeln.
Einordnung: Warum das relevant ist
Die Beiträge von 4future trafen einen Nerv.
Während Andi Kunar die technologische Entwicklung verständlich machte, öffnete Werner Illsinger den Blick für die strategischen Konsequenzen.
Gemeinsam zeichneten sie ein Bild, das weit über die Veranstaltung hinausweist:
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, KI zu nutzen –
sondern darin, die eigene Handlungsfähigkeit in einer Welt zu bewahren, in der Systeme zunehmend selbst handeln.
Fazit
Das Symposium an der ÖAW hat gezeigt, dass die Diskussion über Künstliche Intelligenz in eine neue Phase eingetreten ist.
Es geht nicht mehr nur um Innovation.
Es geht um Gestaltungsmacht.
Oder, wie es im Kontext der Veranstaltung formuliert wurde:
Die Zukunft entscheidet sich nicht daran, was technologisch möglich ist –
sondern daran, wer in der Lage ist, sie zu gestalten.
Herzlichen Dank an Prof. Barbara Prainsack und Dr. Astrid Mager von der ÖAW für die Einladung und die gelungene Organisation der Veranstaltung.
Wir freuen uns über eine Fortführung der Diskussion in unserem Forum:
